Vici Hohmann

Der Himmel ( aus der Vici Erhardt Reihe)

Um Zeichenurlaub bat der Himmel

und schloss geschwind die Tore zu,

denn malerisch der Kunst zu frönen,

der Aufgeklärten und der Schönen,

die Wetter mit sich auszusönen

und mal den Tag malend zu lönen,

das stand der Sonne und ihm zu.

 

So färbte er mit Farbfacetten

und buntem Pinselschwung den Äther,

blitzleicht geführt von kunden Händen,

zeichengeschult aus weisen Bänden,

wild wirbelnd zwischen weißen Wänden,

die bald zu Schau und Käufer fänden,

wenn sie am Horizont erst ständen,

doch unten scholl es laut: Verräter!

 

Denn eintönig weltabgewandt

– kein Himmelsrücken kann entzücken-

so wollte man den Tag nicht sehen,

erst recht nicht vor die Türe gehen,

es blieb nichts, als gewohnt zu flehen

Wetter und Himmel mögen drehen,

zum Land, nicht in die Sterne blicken.

 

Da! Lila, gelb, zinnoberrot,

zerlief der Himmel nun in Farben-

Kritik und Unmut wurden laut:

„Schaut, wie der Kerl mit Farben saut!“

„Cielpressionistisch im siècle?“

„Skyscraping paintings?“ „Fault- pas. Ekel!“,

so höhnte man des Himmels Gaben.

 

 

…Zur Dämmerstunde, am Ausstellungstag,

traf der Himmel selbstsicher und selten schlag-

fertig auf alle zerissenen Zynikerzungen:

Das Wetter war strahlend, das Werk war gelungen.

„Le ciel est bleu!“ „As the sky!“ „Welch ein Segen.“

Kein kritischer Ton mehr, kein Wölkchen, kein Regen.

Die Sammler, sie suchten, die Presse, sie pries:

Der Himmel wars nun, den man heiter hieß.

 

Und die Moral von dem Gedicht:

Zeichne oder man zeichnet dich.