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Vici Hohmann

Heute in der U-Bahn. Männer, die wie Keller riechen.

Männer, die wie Keller riechen. Hobbykeller. Abstellräume. Muff von Jahren. Ewige Junggesellen, die Frauen im Regelfall nicht näher kommen als auf den gepolsterten Plastiksitzen in der U-Bahn. Unterwegs, in den Tunneln der Stadt. Wobei ich den Eindruck nicht loswerde, dass manche selten vor die Tür gehen. Zumindest im Winter. Vielleicht auch schlicht vom Schleuderprogramm des Waschautomaten überfordert sind. Genau wie vom Leben allgemein. Aber sie haben sich noch nicht aufgegeben. Zumindest nicht ganz. Sie sind noch unterwegs. Vielleicht um etwas zu finden, von dem sie nicht einmal ahnen, dass sie es suchen.

Manche von diesen Männern sind dicklich und atmen schwer, manche ausgemergelt, mit dreckigen Fingernägeln. Männer wie Keller. Sie riechen nach Rauch, Schweiß, Staub. Aber nicht so penetrant wie Straßenzeitungsverkäufer, sondern eben einfach wie Keller. Natürlich wird einem da manchmal mulmig, beim Anblick so eines Kellers oder auch nur durch den Geruch.

So ein Keller birgt schließlich Gefahren. Und handele es sich nur um eine rutschige Stufe oder ein bissiges Rättchen im dunklen Eck. Ich meine jetzt so ein ganz normaler Keller, nicht etwa ein Folterkeller. Ein Keller ist ein geheimes Reich. Manchmal auch stinklangweilig. Egal wer, wie, wo –  ich glaube, niemand kennt seinen Keller tatsächlich. Die endlosen Kellergänge der Hausgemeinschaft, der Keller meiner Eltern, der Keller meiner Großeltern, der Keller von den Eltern von Freunden von mir. Sie alle riechen. Sie riechen unterschiedlich. Und doch: Da ist ein Stückchen Gemeinsamkeit. Ich kann gar nicht genau sagen, was es ist. Es hängt aber damit zusammen, dass man sich um Keller nicht sonderlich kümmert. Warum auch? Es sind schließlich Keller.

Darum muss ich manchmal den Kopf drehen, wenn ein Mann in der U-Bahn wie Keller riecht. Aber nur manchmal. Weil jeder weiß, dass man lieber das Licht ausknipst und wieder treppauf in die Sonne steigt.