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Vici Hohmann

Heute in der U-Bahn. Bechermann.

Ein Mann. Ein Becher. Schrumpeliger Kaffeebecher. Strichmännchen. Schlusspunkt gefährlich nahe. Ein paar Cent übrig? Nein, nein, nein, nein, ja, nein, nein, nein, nein, nein. Nein. Bringt doch nichts. Wird eh in Stoff investiert. Auch in Alkohol. Die Haut, fast Alligator. Da geht nichts mehr durch. Es sei denn, man spürt das Lindenblatt auf.

Wie wird man so? Wahrscheinlich braucht es viele Geschichten, um die Eine zu erzählen. Wie alt der wohl ist? Gesicht eines Hundertjährigen. Kein Mitleid, in den Gesichtern ringsum. Weil man das Leben wollen muss. Wir alle haben lebenslänglich. Und fürchten doch, dass es vorübergeht. Trost schenkt allein das Wissen um den Kampf des anderen. Wohin soll man schon vor sich wegrennen? Rausch kostet nur und schenkt vergleichbar wenig.

Bechermann ist leer. Geht fast leer aus, steigt ein, in den nächsten Wagon. Stoisch um Spenden bettelnd, die ihn endgültig vergessen lassen, dass wir alle im selben Zug sitzen. Der anhält und fährt wie es ihm passt. Aber manchmal trifft es sich. Danach lässt sich die Uhr nicht stellen. Versuche nicht auf die Tür zu achten, habe ich mal in einem dicken Buch gelesen.

Wie unmittelbar Bechermanns Existenz im Wagon vergessen ist. Faszinierend. Nichts von ihm ist geblieben. Nicht einmal der Geruch. Obwohl der markant schien. Seltsam, wie unkenntlich man werden kann. Auch wenn Selbstentfremdung keines Bechers bedarf. Eine Briefkastenfirma ändert nur die Vorzeichen der Geschichte.