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Vici Hohmann

Ballaballa oder: Weltmeistern


Ein neuer Maya-Kalender ist aufgetaucht und so verschwörerisch manch Lebensmüde sich auch zuzwinkern, jetzt ist es raus: Die Welt wird nicht untergehen wie eine glühende Caprisonne. Wer dachte, die Zeit könne ablaufen, wie ein lineares Laufband, das man anhalten kann, um mal Luft zu schnappen und eine neue Kilometerzahl einzutippen, schaut irritiert und verschwitzt aus der Wäsche. Mit ihrem allumfassenden Zeit-Verständnis hätten die Maya zu zeitige Verschwörer im Raum-Zeit-Kleid vermutlich amüsiert beäugt und gemeint: „Du tickst wohl nicht ganz richtig“, „Das spielt doch alles keine Rolex“ oder: „Auch für Meister Hora, heißt`s weiter ora et labora“.
Die Maya haben ihren Kalender auf die Unendlichkeit ausgerichtet – und das Baktun 13 bald gezählt ist, wird, zumindest bei mir, keine Melancholia hervorrufen.

Vielleicht wird Harrison Ford demnächst mal den Schokoladen-Kalender der Maya entdecken und damit allen eingefleischten Pessimisten das Leben versüßen. Vielleicht pünktlich zur EM. Dann kommt ein frischer Cacau – ach, der ist ja jetzt verschütt gegangen, na, ein Özil tut`s auch – dann kommt also kein Cacau, sondern ein Özil auf den Platz und macht ein erstes Törchen auf, vom Xocolatl-Kalender für den Monat Juni bis zum heiligen Abend am 1. Juli. Und die Menge jubelt, weil endlich klar ist: den Maya ging es um Ballsport, genau wie allen andern auch, und das ist alles, darum das ganze Kalender-Gedöns. Nix Weltuntergangs-Berechnungen! Die mussten die Daten für ihre EMs und ihre WMs ausrechnen – bzw. deren Entsprechungen und für ihre Champions League und was nicht alles. Das konnte sich doch kein Mensch merken – außerdem war es essentiell für den Kartenvorverkauf. Darum ist der Maya- Kalender auch rund: weil es sich um das große Rund dreht, bzw. die großen Runden: das Erdenrund, die Sonnenkugel, den Fußball und die jeweiligen Termine dazu. Das waren schließlich die Erfinder des Fußballs: die Maya, die Azteken, die Olmeken übrigens zuerst – die bolzten schon vor über 3.500 Jahren. Darum sind die auch alle auf so ausgeklügelte und ausgekügelte Kalendersysteme gestoßen. Die hatten Torschusspanik. Die waren ballaballa. „Zeit, dass sich was dreht!“ – dachten die sich und erfanden das Kalenderrad und sämtliche Speichen dazu. Darum sind Süd- und Mittelamerikaner auch solche Ballartisten – die üben schon am längsten!

Wahrscheinlich gab`s für jede neue Jahres-Saison am „Grünen Tag“, dem Maya-Sylvester, einen Schokoladen-Fußballkalender für jeden, weil Sammelbildchen aus Stein waren zu unhandlich, und wenn er geschmolzen war, war die Saison dahin.
Das sollten wir wieder einführen, diesen Schokoladen-Kalender! Denn wenn die WM 2022 nach Qatar (man achte auf die Aussprache) kommt, wäre das ideal, um dort öligen Entzündungen der Schleimhäute auf den Zahn zu fühlen und der Bevölkerung zum Durchatmen zu verhelfen – schließlich Lindtert Xocolatl nach neusten Erkenntnissen Reizhusten.

Die fleißigen Maya hatten Hummeln im Hintern – wie wir heuer Hummels hinten. Sie haben uns viel beigebracht, meist ohne unser Wissen. So sollten wir nicht lahm sein, sondern uns einen kroosen Badstuber geben, den Klose im Hals herunterschmelzern, unsere Bender dehnen und auf die Wiese des Lebens heraustreten, um neuern Zielern entgegenzulaufen und uns den Spielern und dem Spiel des Lebens zu freuen. Schweinsteigern wir uns in kühne Träume, schürrlen wir die Hoffnung, dass der Götze immer als solcher erkannt wird, rufen wir: „Boateng, das ist der Wahnsinn! Potzblitzpodolski!“ Und pflügen wir den Mertesacker des Lebensspiels mit Eintracht und Humor. Wir verdienen den Jogilöwenanteil Spaß und müssen nichts bereusen. Denn was ein echter Müller ist, der bekommt alles gebacken – so wussten schon unsere erfahrenen Vorfahren in ihren Volksweisen weise zu vermittelfeldern.

Zum Finale ein kurzes Schusswort:
„Gomezgündogan höwedeskhedira.“ – Das war Maya. Dieser Code aus dem Codex Ukrainepolska wird gerade von Nutella entschlüsselt, um den Schokoladen-Kalender der Maya neu zu erfinden. Keine betretenen Mienen machen – zum guten Spiel wird es soweit sein.
„Ist der Rasen grün!“ – uns wird einiges blühen. Ballanceakte der Spitzenklasse! Das Leben ist eine runde Sache – das war den Maya klar, auch den Azteken und den ollen und dollen Olmeken – und manchmal hat das Leben weniger Hand, dafür viel Fuß.