moskau_smal
Vici Hohmann

Global Players

Das politische Pflaster ähnelt einer Zirkusmanege. Das war nicht nur im alten Rom so. Das ist auch im aktuellen Rom so. Und Rom ist überall. Darum führen, wenn auch heute üblicherweise nur im übertragenen Sinne, immer noch alle Wege dorthin.

Auf krisengebeutelten Handelsrouten kriechen wir google-earth weit zu Kreuze. Da hilft nur Lotto – denken sich manche. Weil das Roulette der Rohstoffe wird in russischer Manier gespielt. Da bringt nur Bewehrtes was, aber auch das beginnt bei der Währung – meinen andere. Und wieder andere meinen gar nichts, weil das politically am korrektesten scheint. Letzteren scheint darum weiterhin die Sonne aus dem Arsch, weshalb das Wetter auch weiterhin trübe bleiben wird. Aber vielleicht liegt das mit dem Wetter auch daran, dass der alte Petrus gerade in Pension geht und sein Job momentan vakant ist. Potz Blitz! Bald hagelt`s in der Hinsicht dann wieder Schlagzeilen. (Hoffentlich trifft uns keine). Und wir haben in Europa wieder einen Arbeitslosen weniger. Ach ne – nur einen potentiellen bischunhöflichen Straftäter. Pech für die Statistik!

Trotz oder wegen Wetter-Anarchie oder auch unabhängig davon prasseln Informationsströme hernieder. Es regnet so arg, dass die Welt vermoost. Nix Famos. Letzteres wäre mir lieber, so schlecht das Wortspiel auch sein mag. Aber überall: nur Moos, Moos, Moos, weil ohne Moos ja bekanntlich nichts los ist. – By the way: Erinnert sich noch jemand an das gleichnamige Brettspiel? So ein Zuchtprogramm für heranwachsende Kapitalisten, wie Monopoly… Aber das ganze Züchten und Züchtigen hat ja im Endeffekt doch nichts gebracht, weil einfach nicht genug für alle da ist. Die ganzen Hotels sind schon weg. Und reihen sich die Mittelmeerküste entlang und überhaupt die Küsten hinauf und hinunter. Aber die Urlauber bleiben fern und ferner – und zwar nicht weil sie die Betonfestungen an spanischen und portugiesischen Küsten für ein missglücktes Pendant der chinesischen Mauer halten.

Die Vergnügungslokalitäten stehen leer, weil die meisten Spieler pleite sind. Wegen der Global Players. Darum stützen sich die kleinen Brett-vorm-Kopf-Spieler in Game-over-Laune auf ihre Hypotheken und genehmigen sich mit dem letzten Baren auf den neusten Scheck –  äh – Schreck erstmal nen Kurzen. Oder zumindest ein kurzes Innehalten. Denn den nächsten Spielzug gilt es gründlich zu überdenken. Weil auch viele Häuser futsch sind. Nicht nur in den billigsten Straßen. Sogar im Neubaugebiet. Da lehnen sich Eigentümer auf untragbare Schuldenberge. Aber: Immer schön an die Trümmerfrauen denken.

Bei unserem heutigen, zusammengewürfeltem Monopoly freut man sich fast schon, wenn man mal auf Staatskosten im Knast rasten darf. Dafür muss man ja niemandem körperlich oder seelisch weh tun, sondern kann am Kinotag einfach mal die goldene Kamera mitnehmen. Das kostet einen weniger als die einstige Praxisgebühr und bringt einem Urlaub auf Staatskosten. Goodbye Pfandgesuche und 1-Euro-Sklaverei. Hinter Gittern lebt man im Vergleich wie Gott in Frankreich oder Gerard Depardieu in Russland. Von steigenden Miet- und Nebenkosten verschont. Von Gentrifizierung unberührt. Und nicht mal unter der Dusche muss man solche Verbrecher sehen wie täglich im Fernsehen.

Und außer dem Kitchen? Aus welchen Lehren des Monopolys können wir noch guten und teuren Rat schöpfen? An welche Weisheiten unserer gewinnorientierten Erziehung erinnern wir uns? – Im Notfall immer am Bahnhof rumlungern – klar. Und weiter? – Auf das nächste Los hoffen, weil das vielleicht das Große ist. Und wenn es nicht kommt? Sackgasse. Und wenn es kommt, vielleicht auch eine Sackgasse – langfristig betrachtet. Auch wenn die nicht ausgeschildert ist. Weil aus jedem Spielzug mal ein Ernstzug wird. Darum sollten wir uns zweimal überlegen, ob wir mitspielen wollen, bei Monopoly oder Schach. Weil es bleibt eine vertrackte Mühle. Zumindest solange wir als Ego-Shooter unterwegs sind.

Nehmen wir Italien als Anregung und auch das vergangene  Imperium Romanum – machen wir den Zirkus nicht länger mit.