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Vici Hohmann

Das Ende von Schwarz und Weiß – Ein Beitrag zum Überdenken eingefärbter Weltbilder

Das Leben ist komplex.  Is klar – und doch nicht. Es ist nicht nur Schwarz und Weiß. Aber mit den Schattierungen… Genau. Gut-Böse, Links-Rechts, Kleinlich-Großzügig sind abgenutzte  Zivilisationsstützräder. Seit Jahrhunderten, Jahrtausenden ist der Mensch damit herumgegurkt. Hat Grenzen gezogen. Sich abgegrenzt von der Natur, untereinander, unter Umständen und Schmerzen. Das macht doch keinen Spaß. Der hört doch irgendwann auf.

Mit dem weltweiten Netzwerk und dessen Ozean neuer Pfade, sind physische Strecken zu  Unmittelbarkeit geschmolzen. Digitale Neuronenfäden spinnen global zusehends Neurosen, produzieren aber auch Nähe. Nähe zu allem und allen, vielleicht nur virtuell und verzerrt – und doch: Zum Puls der Zeit. Elektrisiert von diesen elektrischen Impulsen, magnetisch angezogen, zu Quantensprüngen bereit, surfen wir auf dem Atem unserer Rechnungen.

Wir verlieren uns in Displays. Oder finden uns so – auch wieder. Wir fächern uns auf, in alle Avatare unserer widersprüchlichen Brust, geben uns neue Namen. Und laufen Gefahr, unter einprasselnden Impulsen in schizophrene Benutzeroberfläche zu zersplittern.

Eine Art Yoga-Hype als nicht bloße Äußerlichkeit wäre wünschenswert, um unser Körperbewusstsein zu schulen und gleichzeitig den Blick nach innen zu kehren. Um aus der Versenkung das Gespür für biologische und kosmologische Netze zu kramen. Um gegen Eindimensionalität in allen Bereichen zu wirken. Weil selbst die Oberflächlichkeit zusehends dünner wird, im Boom und Bum.

Intuitives Surfen schult den siebten Sinn. Das ist nicht zu unterschätzen. Eine Tendenz zu engstirnigem Denken wabert als Gegenströmung versus empathische Intuition in bedrohlichen Brauntönen über den bunten Äckern unserer Kulturpflanzung. Kein Wunder. Komplexität verängstigt.

Das Universum ist uns ein Rätsel. Wir wissen so wenig, dass wir uns panisch an Glauben und Idole klammern. Dabei können wir ohne Zweifel nicht leben. Ohne währendes Ringen, Auseinandersetzung, kindliche Neugier. Uns eint der Spieltrieb, die Begabung des Schöpferischen. Zufall ist eine Säule des Lebens. Er lehrt uns Hingabe – ebenso wie die zerbrechliche Konstante des Atems.

Wir können nichts auf einen Blick begreifen. Von keinem Standpunkt. Das allsehende Auge ist eine hinkende, überholte Metapher. Überdachte Spracharchitektur ist gefragt, um neuartige Modelle des Begreifens zu installieren. Nachhaltig. Am Anfang stehe das Wort „komplex“ in nackter fordernder Vielschichtigkeit. Das endlich den Druck herausnimmt, aus der zwanghaften Selbstverortung, der hysterischen Selbstdarstellung, der Menschenbildnerei im Minutentakt.

Alles ist komplex. Nichts einfach. Wenn auf einer meditativen Ebene auch verkehrt oder nicht nur und sowohl als auch. Da, wo das Handeln im Nicht-handeln besteht, das Leben eine Haltung ist. Viele Haltungen, ein Qigong-Übung, Paradoxon des Kreises.

Zwischenmenschlichkeit und Menschlichkeit bleiben Herausforderung. Mehr und vielgesichtiger denn je. Weil wir sind viele. Nicht nur ich.Gemeinsam forschend. Exzellenzcluster auf Erden. Alles enthaltend. Jede Stimme zählt.