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Vici Hohmann

Heute in der U-Bahn. Dienstag

Dienstagmorgen. Unausgeschlafen am Gleis. Die Bahn fährt ein. Geladenes Geschoss. Aneinandergedrängte Menschen. Kaum ein Hineinkommen möglich. Am besten Anlauf und. Springen. Die Pflicht ruft. Sie brüllt durch die Tunnel der Stadt. Auf emotionaler Frequenz. In der Bahn selbst ist es erstaunlich still. Bis auf vereinzeltes Kopfhörergeschepper. Und ein Telefonat. Ich bin auf dem Weg. Gerade hier, gleich da. Ein Mann mit Aktentasche, der für alle spricht.

Rechts von mir: Ein Mädchen, das im Rücken eines Blaumanns eine Spinattasche kaut. Links: Ein Hipster in der Midlifecrisis starrt in das Dickicht von Schultern, Köpfen, Profilen. Wie alle starren, im zur Bewegungslosigkeit verurteilten Eisfach U-Bahn. Eingefroren zwischen Körpern, auf dem Weg in Arbeitsexistenzen. Menschmaschinen. Müsli to go.

Leerlauf im Dazwischen des Transports. Zurückgehaltenes Einschalten. Herantasten an die notwendigen Knöpfe. Bis 17 Uhr. Bis 18 Uhr. Bis 20 Uhr. Programm on. Kochwäsche. Ausweichender Blick ins „Berliner Fenster“. Es eröffnet einen heiter bis wolkigen Tag bis zu 13 Grad Celsius. Empfiehlt ein französisches Drama. Droht mit TTIP.

Damit muss man leben. Auch das noch. Eine graue Frau mit rotem Haar saugt sich am Display ihres E-Book-Readers fest. Doch auch ihre Station kommt. Sie drängt an mir vorbei, aus der verbrauchten Luft, in die Schächte der Realität. Unaufgeregte Tristesse. Fast sehne ich mich nach dir. Nichts, im Gegensatz zum zermürbenden Ausharren in der Zwangsjacke des Vollzugs. Öde verfahrenes Spiel in urbaner Unterwelt. Die Endstation mag überirdisch liegen. Nie heißt sie Glück. Höchstens Sehnsucht. Vielleicht ist Ausstieg einzige Alternative. Bevor das Herz panisch wird.

Mind the gap.