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Vici Hohmann

Die Unbestechlichen

Gestern mal wieder arte geschaut. „Die Unbestechlichen“ – die Watergate-Affäre auf Leinwand unter der Regie von Alan J. Pakula aus dem Jahre 1976. In den Hauptrollen der investigativen Journalisten: Robert Redford als Bob Woodward und Dustin Hoffman als Carl Bernstein. Abgesehen vom Anblick der exzellenten Darsteller lohnt sich der alte Schinken auch wegen brandheißer Aktualität. Wobei ich jetzt nicht unbedingt Mitt Romney ins Auge fasse, (dessen Vater übrigens für Nixon arbeitete), sondern ganz allgemein verschwörerisch in die politischen Tafelrunden blinzele. Kaum zu glauben welche Kinkerlitzchen in den 70er Jahren noch für Aufruhr sorgten. Heute ist Watergate überall, im Kleinen und im Großen, hat sich etabliert wie ein schlechter Witz den niemand mehr weghustet, sondern den man mit einem müden:“Ach…“ abtut.

Naja, wenigstens boomt der investigative Journalismus seit damals. Hat sich leider auch aufgebläht zu Schall und Rauch – weil er bringt Asche. Und täglich grüßen so tausend Skandale, medial aufs Effektivste aufbereitet und ausgebreitet. Berichte und deren Details werden so breitgetreten, dass sich der noch bei Bewusstsein befindliche Leser oder Zuschauer betreten fragt, welchen tatsächlichen Skandal denn die platte Entenvariante verschleiert. Politik und Wirtschaft sind eine Burkabühne. Ich verstehe nicht, wie man über dieses Kleidungsstück wettern kann, wenn man es im Grunde selbst trägt. Und es nicht mal kulturell rechtfertigen kann! Das ist doch peinlich. Das hat so etwas von „Des Kaisers neue Kleider“ – zumindest gibt man sich genauso die Blöße. Kann es im Weltgeschäft nicht mal um was anderes gehen als um Macht? Und um Kohle und Asche? Weil ich meine: Staub zu Staub! Das ist doch wirklich langweilig, dieses Rumgemachte mit machtvollem Gemächt, um schließlich ein Vermächtnis zu hinterlassen. Das verführt doch zu nichts wirklich Attraktivem wie Liebe. Auch wenn es anfänglich so scheint. Aber der Schein trügt – das ist bekannt.

Macht ist eine Fata Morgana, die sich meist leider recht blutig entlädt – das ist der Gewehrlauf der Dinge. Das brüllt die Geschichte doch ohrenbetäubend. Vielleicht hat sie uns taub gebrüllt. Wir schwindeln uns ohne Gleichgewichtssinn durch die Jahrhunderte.

Wenn wir unsere Errungenschaften egoistisch nutzen, ist das selbstzerstörerisch – das wird doch überall überdeutlich. Die Keilschrift beispielsweise, war auch nur Mittel um einen Keil zwischen Arm und Reich zu treiben. Bis zur Pressefreiheit war es ein langer Weg. Seit über 5.000 Jahren herrscht Landflucht um in der Stadt etwas aus sich zu machen – damit der Name oder wenigstens das Eigentum den Tod überdauern. Wie bescheuert ist das? Können wir nicht mal dem Augenblick ins Auge blicken und uns mit dem Jenseits nicht immer das Diesseits vermiesen? Seit das Verewigen „in“ ist, produzieren wir eine Umweltkatastrophe nach der anderen. Weil das Jenseits das Diesseits so überschattet, dass wir glauben im Diesseits brauchen wir keine Bäume mehr.

Und je zahlreicher wir werden und je größere Beträge und Erträge wir brauchen, umso fataler wird es hier auf Erden. Ändern tun wir nichts. Uns am wenigsten. Wir verhalten uns immer nach Schema F. Dabei gibt es viel mehr Buchstaben in der Verhaltenssuppe. Zum Beispiel das W wie Widerstand. Aber auch da läuft`s bei genauer Betrachtung immer nach Schema F. So wird das nie was mit der richtigen Aussprache.

Anti böse Herrscher und anti böse Umweltsünder. Das gibt doch nur mehr anti, aber kein avanti und kein „come together“. Plattitüden für Elise und für`n Arsch – aber was bleibt anderes übrig…! Plattitüden dreschen, bis man auch mal etwas gebacken bekommen hat. Bis man es hinbekommt ein Denkmuster auszumustern. – Rauchen wir die Plattitütchen gemeinsam. Verkneifen wir uns das Grinsen nicht mehr. Plappern wir Fachidiotengeschmiere nicht mehr unmündig nach dem Mund, die in millionen Talkshow-Expertenzirkeln egozentrisch um sich selbst kreisen. (interessant diese verschlungene Beziehung von Ego und Geo).

Nehmen wir unsere Freiheit in Anspruch. Gestehen wir uns ein, dass wir soziale Wesen sind, mit Mitgefühl begabt. Ja, wir haben eine Begabung. Das können wir uns ruhig eingestehen. Das ist legal. Menschlich sein. Wir werden nicht glücklich, wenn wir nicht füreinander da sind. Und bauen wir nicht auf Empathie, landen wir nur mit der Nase im Lehmmatsch.