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Vici Hohmann

Schwimmt, Flossen!

Sommerzeit – ab ans Meer. In die perfekten Wellen tauchen und genießen. Davon träumt nicht nur ein jeder Urlaubnehmer, sondern auch ein jeder Hai. Der gewöhnliche Haifisch ist hier angesprochen, nicht der gemeine Immobilienhai. Flossen hoch und entspannen – oder eine verdiente Delikatesse erjagen – das mögen Mensch und Hai gleichermaßen. Nun mag man meinen, dass diese übereinstimmenden Vorlieben dem Hai zugute kommen und den ein oder anderen Urlauber um das Auskosten seines Frühbuchertarifs bringen. Damit verbunden leicht eine Tonne Kerosin und der 4-Sterne-Bunker in Slumdogmillionärcity am 1000 Meter langen und 100 Meter breiten reinen weißen Touri-Strand in den Sand gesetzt sind. Doch: weit gefehlt.

Denn jedes Island bietet safety. Die Leidenden sind das Hailand und seine Hailigen. Die Haie tragen ein Kreuz und das heißt Mensch. Taucht dieser an der Wasseroberfläche im Kutter auf, weiß der Hai: der hat es auf meine Flossen abgesehen. Denn Haifischflossen sind ein Heilmittel für jedes Wehwehchen. Und sie fördern die Potenz. Klar, stammen ja auch vom Leib eines heilbringenden Hai. Sind die Flossen ab – ab mit dem Resthai über die Reeling. Und dann: Butter bei die Fische und den nächsten Hai killen. Hai für Hai sinkt in gewissenlose Untiefen. Dagegen geht ein Aufschrei um die Welt, wenn vor australischen Küsten ein einzelner Hai einmal in zwei Jahren einem Surfer das Bein anknabbert. Der Surfer hat – im Gegensatz zum flossenlosen Hai – immerhin noch die Chance auf Lebensrettung und Lebenshilfe per Prothese. Kein Mensch denkt an Robotterflossenprothesen für verwundete Haie. Warum nicht?

Man stelle sich vor die Haie kämen an Land und würden einmal die Woche so ein-, zwei-, dreitausend von uns die Hände und Füße abhacken, sich davon ein lecker Süppchen kochen und uns auf dem Bürgersteig liegen lassen. Oder sie würden aus Spaß Schulkinder mit Harpunen erschießen, wie Sportfischer kleine Haie.

Den Haien kann man gar nicht genug Hailander wünschen – auch wenn es eigentlich nur einen geben kann. Gedenken wir den Verflossenen. Die Raubfische werden lange genug von uns Raubsäugern bedroht. Wenn wir schon einen Hai töten, dann lasst uns ihn wenigstens gründlich verputzen. Wenn wir uns wie Ölsardinen am Beach aalen, lasst uns daran denken, dass das abgebissene Menschenbein die Ausnahme ist – die abgeschnittene Flosse dagegen der Regelfall. Und wenn wir wenn sagen, lasst uns auch aber sagen.